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Akutes Nierenversagen

Die Nieren spielen im Körper eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung des Wasser- und Elektrolythaushaltes sowie des Säure-Basen-Haushaltes. Außerdem sind sie für die Ausscheidung von Stoffwechselendprodukten und Giftstoffen verantwortlich. Versagen die Nieren plötzlich, können diese Funktionen nicht mehr wahrgenommen werden. Abfallprodukte und Wasser sammeln sich im Körper an.

Für ein akutes Nierenversagen (ANV), das man auch als Schockniere oder akute Niereninsuffizienz bezeichnet, gibt es eine Vielzahl von Ursachen:

  • Bei einem prärenalen akuten Nierenversagen liegt die Ursache vor der Niere. Auslöser können zum Beispiel ein starker Blutverlust, eine Blutvergiftung, Verbrennungen, Vergiftungen oder eine Herzschwäche sein. Dadurch kann die Nierendurchblutung unter den kritischen Blutdruckwert von 80 mmHg fallen. Die Nieren trocknen quasi aus, es wird kein Primärharn mehr gebildet.

    Das prärenale akute Nierenversagen ist die häufigste Form des akuten Nierenversagens. Es betrifft oftmals ältere Menschen. Es wird zudem durch eine Verkalkung der Nierenarterien sowie durch die Einnahme bestimmter Schmerzmittel oder Medikamente begünstigt.
     
  • Bei einem renalen akuten Nierenversagen ist das Nierengewebe direkt betroffen, die Schädigung liegt also in der Niere selbst. Ursachen hierfür können bereits vorhandene Nierenerkrankungen (Nierenentzündungen, Gefäßentzündungen, Verschluss der Nierenarterien und -venen) sein, aber auch Medikamente und Chemikalien (z. B. Antibiotika, Zytostatika, Röntgenkontrastmittel).
     
  • Eine plötzliche Behinderung oder Unterbindung der ableitenden Harnwege führt zu einem chronischen Harnstau im Nierenbecken. Dieses weitet sich durch den Urin, der nicht mehr abfließen kann, aus. Dadurch wird das umgebende Nierengewebe erdrückt und stirbt ab. Da die Schädigung/Ursache hinter der Niere liegt, wird dieser Prozess postrenales akutes Nierenversagen genannt. Als weitere Ursachen sind zu nennen: Prostatavergrößerung, (Becken-)Tumoren und beidseitige Nierensteine.

Frühsymptom für ein akutes Nierenversagen ist eine häufig verminderte Harnausscheidung, das heißt die tägliche Urinmenge liegt unter 500 ml. pro Tag. Als weitere, spätere Symptome treten starke Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen, Juckreiz und auch Herzstolpern auf. Es kommt zu Wassereinlagerungen im Körpergewebe und häufig auch zu Atemnot durch Flüssigkeit in den Lungen.

Prinzipiell ist ein akutes Nierenversagen bei sofortiger Therapie reversibel, das heißt, das Nierengewebe erholt sich nach einigen Monaten vollständig. Vier Phasen kennzeichnen ein akutes Nierenversagen:

1. Schädigung

  • Dauer: Minuten bis Tage
  • starke Abnahme der Urinausscheidung
  • Anstieg der harnpflichtigen Substanzen im Blut (Kreatinin, Harnstoff)

2. Oligo- / Anurie

  • Dauer: bis zu 10 Wochen
  • Urinausscheidung sehr gering oder gar nicht vorhanden

3. Polyurie

  • Dauer: 1-2 Wochen
  • starker Wiederanstieg der Urinproduktion mit mehr als zwei Litern pro Tag

4. Wiederherstellung

  • nach mehreren Monaten hat sich das Nierengewebe erholt

Wird ein akutes Nierenversagen nicht behandelt oder verschlechtert sich die Nierenfunktion trotz der Behandlung, muss sich der Patient einer Dialyse unterziehen.

Akutes Nierenversagen tritt häufig bei Intensivpatienten auf, bei denen auch Funktionsstörungen anderer Organe vorliegen. Hierbei ist das akute Nierenversagen oftmals Teil eines sogenannten Multiorganversagens.


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